Ohne Treu

Mit dem 25. Februar 1634 wendet sich das Blatt für alle Kriegsparteien, die bislang eine maßgebliche Rolle im Ringen um die Vormachtstellung im Reich gespielt hatten. Das Attentat auf Herzog Wallenstein versetzt die kaiserliche Partei in einen offenen Zwist, und für alle ist nun klar ersichtlich: Auch die Armee des Kaisers steht nicht so fest, wie es nach außen hin den Anschein hat.

Bis hierher waren fast alle bedeutenden Akteure der militärischen Bühne bereits abgetreten: Tilly, Gustav Adolf, Mansfeld und Christian, Friedrich V. 
Die bereits geschlagenen Schlachten hatten keine der kriegführenden Seiten begünstigt, geschweige denn umfassende Vorteile verschaffen können. Man ist auf dem besten Weg in ein totales Chaos. Jeder gegen jeden und alle nur für sich. 

Wallenstein jedoch hatte es gewagt, das Undenkbare zu denken: Er dachte über die feindlichen Gräben hinaus und plante einen Separatfrieden mit Schweden. Aus diesem Grund hatte er bereits Fühlung zum Hof in Dresden aufgenommen, wo man für ihn sprechen sollte, freilich streng heimlich und ohne Wissen der Großen in Wien. Ein sehr gewagtes Spiel und großes Risiko, aber Wallenstein geht es dennoch ein. Denn wenn es gelänge, den Krieg hier zu beenden, so ließe sich der Sturz in den Abgrund vermeiden, auf den Europa zusteuert.



Im Sommer und Herbst 1633 waren bereits geheime Friedensverhandlungen  aufgenommen geworden. Und natürlich ließ sich das nicht vollends verbergen. Für den Kaiser in Wien galt der Herzog damit als Hochverräter, und fortan unternahm Wien alles, um den Generalissimus abzusetzen. 
Es war der General Ottavio Piccolomini, der federführend aktiv die gezielte Unterwanderung der Autorität Wallensteins betrieb. Dazu brachte er mehr und mehr die Obersten auf die Seite des Kaisers. Wallenstein wurde mit der Reichsacht belegt.


Noch im Januar 1634 hatten Wallensteins Vertraute, die Obersten Illow, Kinsky und Trčka, eigenständig versucht, dagegen anzugehen und die Kameraden aufseiten des Herzogs zu halten. Ohne Erfolg. Ein Vakuum war entstanden: Wem galt es jetzt, die Treue zu halten – dem Kaiser oder Wallenstein?

Als sich die Armee schließlich Ende Februar in Eger sammelt, ist die Gelegenheit gekommen, Wallenstein endgültig auszuschalten. Und es beginnt damit, dass sie die letzten Regimenter ihrer Führer berauben.

Das Klarissenkloster in der Stadt wird für Meding und Alba zum Zufluchtsort, dem einzigen ruhigen Punkt inmitten des Chaos. Doch sie ahnen nicht, auch hier ist schon der Feind mitten unter ihnen.