Der Mann dahinter
Thomas Thalmaier
Jahrgang 1970
Wehrdienst 3./PzLehrBtl 94
Studium der Geschichte der Frühen Neuzeit
Pferdewirt, Reiter, Autor und Herausgeber
Rapierfechter HEMA
Mein halbes Leben habe ich mit Pferden zu tun. Fast genauso lange beschäftige ich mich mit Geschichte. Aber am längsten währt dieser subtile Zwang, schreiben zu müssen.
Alles zusammen ergibt den Autor.
Beweggründe, Sehnsüchte, Leidenschaften
wie etwa jene des Michel de Montaigne 1572
"Und wäre mir von meinem Los hinieden ein Leben ganz nach meiner Art beschieden, so würd ich es mit dem Hintern im Sattel verbringen. Begierig zu schauen, wo schwarze Regenwolken, schwere Nebel ziehen, wo unterm Sonnenfeuer Feld und Flur verglühn."
"Was ich nicht lange auszuhalten vermag (und in meiner Jugend vermochte ich es noch weniger), sind Kutschen, Sänften und Schiffe. Ja, ich verabscheue alle Fortbewegungsmittel außer Pferde, ob in der Stadt oder auf dem Land."
"Wenn ich einmal im Sattel bin, steige ich nicht gern wieder ab. Denn in dieser Haltung fühle ich mich am wohlsten, ob gesund oder krank. Hätte ich zu wählen, würde ich, davon bin ich überzeugt, lieber als im Bett zu Pferde sterben."
zitiert aus DLF 2018
Oder jene des Georg Engelhardt von Löhneysen um 1608
Das 18. Capitel
Wie man sich eines Pferdes versichern und ihm schön tun soll
Sich eines Pferdes zu versichern und ihm schön zu tun, ist nichts anderes als ihm zu verstehen zu geben, wenn es etwas richtig gemacht hat, und dass es dies später, wenn man es wieder von ihm haben will, erneut tue. Das geschieht mit Liebkosen und freundlichem Zusprechen mit tiefer Stimme und Tätscheln und Klopfen am Hals, mit Kratzen der Rute am Hals bei der Mähne und indem man anhält und alsbald absitzt und ein wenig Gras oder Hafer mit Salz vermengt zu essen gibt. Auch dass man ihm fein um den Kopf streichelt und wischt und alsdann langsam zum Stall führt und den Tag nicht mehr drauf sitzt.
Della Cavalleria 1624, Buch VI, 18. Kap., S. 261
Fragen an den Autor
Wie kommt man auf die Idee, über einen Reitmeister Meding zu schreiben?
Die Idee selbst entstand 2019. An die historische Vita des Christian von Braunschweig angelehnt, hatte ich die Vorstellung, einen meisterhaften Reiter Christian an die Seite zu stellen, mit dem sich die Abenteuer der beiden schildern ließen. In der Umgebung und den überlieferten Quellen findet sich der Name eines Ernst August von Meding, der Kammerjunker des Herzogs Christian gewesen sein soll. Weiterhin findet sich der Name nicht – beste Voraussetzungen dafür, diese Figur auszubauen.
In den folgenden Jahren habe ich immer mal wieder an der fiktiven Biografie des Meding weitergefeilt, bis etwa 2023/24 alles Grundlegende passte: Herkunft, Ausbildung, Jugend, Begegnungen, historische Meilensteine, Misserfolge, Rückschläge, letzte Jahre bis hin zum Ende. Und dazu nur so viel: Medings Geburtsjahr ist nicht bekannt, irgendwann nach 1593, aber vor 1599. Seine letzten Jahre enden 1679, weil da sein alter Jugendfreund Johann von Sporck stirbt. Meding geht daraufhin einfach fort und wird nicht mehr gesehen.
Was kann der Leser von den Meding-Chroniken erwarten?
Eine Reihe hat den großen Vorteil, Gegebenheiten und Vorkommnisse viel detaillierter darstellen zu können, als es ein Roman könnte, und sei er auch noch so groß. Ursprünglich als "dickes Buch" konzipiert, stammt die Idee zu einer Reihe vom Verlag EK-2 Publishing. Das hat sich als besseres Konzept erwiesen.
Warum das 17. Jahrhundert?
Das Barock ist eine Leidenschaft – eine Zeit, die mir ständig im Sinn liegt. Erklären kann ich es mir nicht. Aber alle, die mich kennen, vermeiden möglichst jegliche Erwähnung dieser Zeit, um nicht Gefahr zu laufen, einem meiner berüchtigten Exkurse beiwohnen zu müssen. (Kein Scherz!)
Welche Absicht steckt hinter den Romanen?
Keine andere, als dem Leser das Zeitalter des Frühbarock näherzubringen. Und zwar in seiner ganzen Widersprüchlichkeit. Das Barock kennt keine staatlichen Zwänge oder Tugenden, wie sie unseren postaufgeklärten Zeiten eigen sind. Es ist eine Welt und Gesellschaft, die sowohl aus Aberglaube als auch aus einer großen Liebe zum Spiel, in Formen, Redewendungen, bildender Kunst und Musik, besteht.
Ebenso das Reiten wie auch die Fechtkunst, die beide als Kunstform begriffen und in zwei eigenständigen Spielarten betrieben werden: "zur Ergötzlichkeit oder zum Ernst". Das sind die Pole, zwischen denen sich das damalige Leben bewegt.
Wieviel Zeit braucht es, einen Roman zu schreiben?
Monate. Für gewöhnlich recherchiere ich wochenlang und lege dann den Plot fest. Das Schreiben der Rohfassung benötigt vergleichsweise am wenigsten Zeit. Anschließend überarbeite und feile ich am Text. Das nimmt nicht die meiste Zeit in Anspruch, ist aber am intensivsten.
Wieso das Konzept der Gritty History Novel?
Weil es aus zweierlei Gründen passt. Zuerst geht es um die ungeschönte und nicht verbrämte Darstellung der Zeit, in der ein Roman spielt. Und dann soll es auch spannend sein, was geschildert wird.
Gleichzeitig darf die Schilderung jedoch nicht ins Plakative verfallen, sondern muss ein Maß finden, auch gewisse Schrecknisse und Brutalitäten nur mit symbolhaften Worten zu erzählen. Es gilt das „Show, don’t tell“ ganz besonders.
Wie geht es weiter mit Meding?
Der Story um den Reitmeister Meding, der seine Jugend am Wolfenbütteler Hof verbrachte und das Reiten bei Engelhard von Löhneysen lernte wie das Fechten bei Sebastian Heußler, liegt zugrunde, inmitten der teutsch-libertären Bewegung in den Krieg zu geraten, von Pappenheim beschützt zu werden, als Tillys persönlicher Kurier zu reiten, Wallenstein kennenzulernen, Lützen zu überleben, das Prager Blutgericht zu verfolgen, aus Eger zu entkommen, Nördlingen zu bestehen, dem (historischen) Reitmeister Giambatista Galiberti zu begegnen und dann zunächst noch auf Rupert von der Pfalz zu treffen, mit dem er in den Englischen Bürgerkrieg zieht.
Enorm viel Platz für weitere Geschichten. Prequels wie auch Fortsetzungen.